| Greg Stone |
|
|
|
Seite 1 von 3 GREG STONETeer ist wohl kein typisches Zeichenmaterial. Schwer, klebrig-zähflüssig und von durchdringendem Geruch, Straßenbelag und Dichtungsmasse, scheint es geradezu der natürliche Feind des empfindlichen Papiers zu sein. Doch die dunkelbraunen Flächen und Schleier, die Wolkengebilde und zarten Liniengeflechte auf dem weißen Untergrund erwecken den Eindruck als seien sie tatsächlich virtuos nach einem genauen Konstruktionsplan wie mit einem Flammenwerfer gezeichnet, wobei das genaue Verfahren jedoch Stones Geheimnis bleibt. Jenseits der Faszinationskraft der reinen Materialästhetik ist den Arbeiten eine zutiefst widersprüchliche formale Schönheit zu eigen. Einerseits Abstraktion: dichte geometrische Muster, sich wölbende Volumen und regelmäßig-rhythmisierte Strukturen, fast psychodelische Erscheinungen, die den Blick des Betrachters in die Bildfläche einsaugen und die auf nichts weiter als auf sich selbst verweisen. Je mehr man aber in die zeichnerischen Bildwelten Stones eintaucht, desto eher meint man das Ganze als organisch-vegetabiles System lesen zu können. Vielleicht Zellstrukturen unter dem Mikroskop, Röntgenaufnahmen von Gewebe oder ein Blick durchs Teleskop in ein verglühendes Sonnensystem. Die Arbeiten von Greg Stone machen es einem nicht gerade leicht. Wir befinden uns auf unsicherem Terrain Der feste Boden, auf dem wir stehen, scheint geschmolzen, aufgeweicht. Die Orientierung gerät außer Kontrolle und der Blick verschwindet in der Dunkelheit. Viel eher als Abbilder von Wirklichkeit sieht Stone seine Teerzeichnungen als Gespräche mit sich selber über die unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung von Wirklichkeit. Zwischen Nahsicht und Fernbetrachtung. Mikro und Makrostruktur, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen der Härte des Materials Teer, das keine Korrekturen zulässt und der Verletzlichkeit des Zeichengrundes Papier, zwischen Ordnung und Entropie. Seine Arbeiten tragen Titel wie „Paranoiaplatz“ „Homeland Security“ oder „Prayer“ und deuten an, dass das, was in den Bildern nicht offen verhandelt wird, dennoch Gegenstand der Reflexion sein muss, dass die Gegenwart nicht zwangsläufig in den Gegenständen wohnen muss, sondern in dem Raum, den die ästhetische Betrachtung über sie eröffnet.
|
|||||




