Irina Baschlakow PDF Print E-mail
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Irina Baschlakow
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Irina Baschlakow | Blast of Science

Dauer der Ausstellung: 03.12. - 08.01. 2005

Die Zeit scheint angehalten auf den Zeichnungen von Irina Baschlakow. Ein eingefrorener Sturm oder eine Explosion in Aspik. Rätselhafte Objekte, die zwischen technoider Labor- oder Apparatwelt und biomorphen Organismen changieren, sind einem dynamischen Bewegungsfluß ausgesetzt oder in einen gewaltigen Sog geraten, der eigenartige Substanzen durch den Bildraum treibt. Material und Aggregatszustand bleiben jedoch unklar. Irgendetwas zwischen fest und liquide, zwischen quecksilbrig und gasförmig. Vielleicht existiert diese Welt ja fernab in der Schwerelosigkeit des Alls oder in der künstlichen Atmosphäre einer physikalischen Versuchsanstalt. Ihre Erscheinungen erinnern zumindest an die Dingwelt unserer Erfahrung, wirken wie Simulationen konkreter technischer Objekte, wie z.B. Ringfassungen, Monitore, Klammern, Schrauben Vielleicht aber sprechen diese Simulakren auch nur von der Möglichkeitsform einer Existenz jenseits des menschlichen Körpers.




"Venus 01", 2003
Aquarell, 29,7 x 42 cm
"Venus 02", 2003
Aquarell, 29,7 x 42 cm
"Venus 03", 2003
Aquarell, 29,7 x 42 cm


Die Aquarelle der Serie Venus (2003) sind bestimmt von einem meist roten, bisweilen schwarzen Farbstrom, der einerseits gebändigt einer fast tänzerischen Choreographie gehorcht und doch wohl außer Kontrolle geraten ist. Wie in ihren großformatigen Gemälden gibt Baschlakow den Blick frei auf Systeme, deren Logik nicht mehr nachzuvollziehen ist, die aber einem geheimen Plan zu folgen scheinen. Diese Systeme sind aber offensichtlich dysfunktional oder am Rande des Kollapses. Ursachen sind nicht mehr erkennbar, nur die Konsequenzen eines Vorganges, der als Initialzündung eine Kettenreaktion von großer Dynamik in Gang gesetzt hat. Wobei die kartoonhaft visualsierten Entladungen unter Umständen auch nur die Vorboten einer größeren Katastrophe sind. Und trotz allem haben die Bilder oftmals einen heiteren, fast komischen Tonfall. Das Unbelebte wirkt merkwürdig beseelt und die heftigen Explosionen fast wie Emotionsausbrüche einer zornig gewordenen Materie.

 




Serie "Star Tools" o.T., 2003
Filzstift, 40 x 30 cm
Serie "Star Tools" o.T., 2001
Filzstift, 40 x 30 cm
Serie "Star Tools" o.T., 2001
Filzstift, 30 x 20 cm

Star Tools (2001), ist eine Serie, die ihren spezifischen Reiz nicht zuletzt auch aus dem Umgang mit dem zeichnerischen Instrumentarium des in pastelliger Tonigkeit eingesetzten Filzstiftes bezieht. Auch hier scheinbar Bekanntes: metallisch anmutende Bänder falten und winden sich, Werkzeugteile, Federn oder Rohre wachsen und verschmelzen zu organischen Gebilden, zu verunglückten Pilzgewächsen oder eben doch zu hysterischen Maschinen, die zerfließen und aus dem Bild tropfen.

 




"Science 12", 2003
Aquarell/Belistift, 29,7 x 42 cm
"Blast Off", 2004
Acryl auf Nessel, 200 x 250 cm
"Blast 05", 2004
Acryl auf Nessel, 200 x 200 cm

Im Zentrum der Blast (2004) betitelten Arbeiten steht die extreme Verdichtung von Materie, von Farbschichten und Schraffuren im Wechselspiel mit der Fläche des weißen Papiers. Zeichnerische Prinzipien werden hier zum Gegenstand der Blätter. Eine Spannung, ein Kräftespiel, zwischen der Lineatur und dem Raum, den die Linie umschreibt, den sie einfasst oder öffnet, wird hier deutlich spürbar. Die Klammern und dinghaften Objekte im Energiefeld dieser zeichnerischen Verdichtungen sind dabei fast nur noch sinnlose Requisiten, die vorgeben den Raum in eine Form zu zwingen.