fruehsorge
MORGAN O'HARA

*1941, LEBT UND ARBEITET IN NEW YORK, US
Pressetext zur Ausstellung LIVE TRANSMISSION (7. Sep. - 20. Okt. 2012) bei fruehsorge contemporary drawings:

Die 1941 in Los Angeles geborene und in Japan aufgewachsene Künstlerin Morgan O’Hara folgt mit ihren LIVE TRANSMISSION Zeichnungen einer künstlerischen Entwicklung, die in den 1960er Jahren ihren Anfang nahm und die dem Medium der Zeichnung die Möglichkeit erschloss, ihr Hauptaugenmerk auf den Prozess und die Bewegung zu legen.

Die kraftvollen Gesten, die O’Hara auf das Papier bringt, sind anders als im Abstrakten Expressionismus nicht als Ausdruck des Künstlersubjekts zu verstehen, das darin seine innere Bewegtheit zu veräußern sucht. Der Ansatz O’Haras ist ein anderer, ein konzeptioneller. Beidhändig registriert und notiert die Künstlerin äußerlich sichtbare Bewegungsabläufe von Musikern, Tänzern oder auch Handwerkern und überträgt diese meist mit mehreren spitzen Bleistiften auf das Papier. Die Vorgabe der Künstlerin ist es dabei als leitendes Medium zu agieren durch das die Energie der beobachteten Bewegung mit ihrer je eigenen Intensität fließt und das ebenjene Energie mit Hilfe des Bleistifts auf dem papiernen Träger visuell zu bannen versucht. Eine menschliche Handlung wird dadurch in eine andere übersetzt. Die Zeichnungen scheinen um ein Zentrum lokalisiert zu sein, das einem Gravitationsfeld gleich die vielen Bewegungsabläufe zusammenhält. In dieser Art Sichtbarwerdung des ephemeren Moments der Bewegung überlappen sich die Zeitebenen, so dass am Ende die Simultaneität aller Gesten ein Kondensat dichter Graphitlinien entstehen lässt, das eine eigene Notation der dargebotenen Musik darzustellen scheint. Thematisch werden somit auch Fragen des Mediums der Zeichnung hinsichtlich der Beziehung von Auge und Hand sowie den damit verbundenen Prozessen von Wahrnehmung und Übertragung, die als höchst subjektive beschrieben werden müssen. Gerade in dieser Hinsicht sind die LIVE TRANSMISSION Zeichnungen, trotz ihres konzeptionellen Ansatzes, immer auch Ausdruck der Künstlerin selbst. In diesem Spannungsverhältnis zwischen rationaler Aufgabenstellung und subjektiver Ausführung liegt mitunter der besondere Reiz dieser Zeichnungen.

Die Bewegungsabläufe, die O’Hara interessieren, sind nicht auf künstlerische Ausdrucksformen begrenzt. Die Künstlerin dokumentierte unter anderem eine Spargelstecherin in Süddeutschland, den Trubel eines japanischen Fischmarktes, einen Scherenschleifer in New York oder auch die Arbeit in einer chinesischen Nudelfabrik.


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